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Die glücklichen Sommertage draussen am See gehören für viele von uns zu den tiefsten Erlebnissen der Vorkriegszeit. Deshalb will ich hier auch nicht das wiederholen, was in den blauen Erinnerungsbänden der schweizerischen Landesausstellung in Zürich steht.
Wer vor 25 Jahren den einzigartigen moralischen Aufbruch des Schweizervolkes in der Zeit nationaler Not miterlebte, wird ihn nie vergessen. Unsere kleine Nation hat es erfahren, was Landesgrenzen bedeuten. Sie bedeuten nicht einfach gestrichelte Linien auf der Karte. Eine Grenze wird nicht diskutiert, sondern verteidigt. Mein Sinnen und Denken richtete sich auf das eine Ziel, mit Hilfe der Landesausstellung das schweizerische Vaterland durch die Arglist der Zeit hindurch in eine bessere Zukunft hinüberzuretten.
Aus meinem ersten Bericht an die Ausstellungsbehörden vom September 1936, kurze Zeit nachdem ich die Direktion der Landesausstellung übernommen hatte, zitiere ich hier einige Sätze, die unsere Stimmung in diesen aufregenden Zeiten am besten wiedergeben:
«Die erste Abteilung „Heimat und Volk" richtet sich an unsere eigenen Landsleute zur Vertiefung ihres sozialen Opfersinnes und zur Erstarkung ihrer vaterländischen Abwehrbereitschaft. Sie richtet sich auch an das Ausland, dem gezeigt werden sollte, dass es ein Volk von drei Stämmen und vier Sprachen gibt, welches auch noch zweierlei Glaubens ist, und das, einer gemeinsamen grossen Idee gehorchend, zur friedlichen, glückverheissenden Schicksalsgemeinschaft geworden ist. In dieser Abteilung soll stimmungsmässig die vielgestaltige Herrlichkeit der schweizerischen Natur mit dem Glauben und Hoffen unseres Volkes vereinigt werden. Geschichte soll nicht als Ganzes zur Darstellung gebracht werden, sondern in vereinzelten Reminiszenzen die Gegenwartsprobleme begleiten. Auch unserer schweizerischen Landesverteidigung, die niemanden bedroht, die wir zum Schutz unserer Freiheit und unseres heimatlichen Herdes aufgebaut haben, soll hier gedacht werden. Der Geist der Landesausstellung soll zukunftserfüllt sein, nur dann werden die gewaltigen Anstrengungen unseres Volkes Flüchte tragen, nur dann wird unsere Jugend, der all unsere Bemühungen gelten, mit einem klaren Programm und verheissungsvoller Vorstellung in die kommende Zeitepoche hineinmarschieren und diese zielsicher gestalten können. Unser Jungvolk soll sich 1939 am Zürichsee das Wunschbild schweizerischer Arbeit, schweizerischen Denkries und Hoffens einprägen.“
Dabei lag mir aber auch die kulturelle und künstlerische Durchdringung unserer Kundgebung am Herzen. Meine erste Massnahme galt der Gewinnung der schweizerischen Öffentlichkeit für die neuen Gedanken, mit denen wir die Ausstellung aufbauen wollen. Die "Thematik" war ungewohnt, den meisten erschien sie als doktrinär, ja sogar als wirtschaftlich untragbar. So musste gegen ernstzunehmende Widerstände eine neue, bisher noch nicht erprobte Ausstellungsart durchgekämpft werden. Heute wird über die Selbstverständlichkeit der "Thematik" überhaupt nicht mehr diskutiert, als wäre sie stets dagewesen.
Die Besuche mehrerer Ausstellungen schärften mir den Blick für die wirtschaftliche und ideologische Tiefenwirkung solcher Kundgebungen. Als Architekt interessierte mich natürlich in erster Linie die einzigartige architektonische Möglichkeit, weder an einen Zweck noch an eine lange Dauer gebundener Werke in reiner Freiheit zu gestalten. Als die eindrücklichsten Besuche erwähnte ich hier die „Jubiläumsausstellung“ in Göteborg 1921, die Weltausstellung in Barcelona 1929, die Gewerbeausstellung in Stockholm 1931. Die letztere – die architektonisch schönste – lehrte mich das Einfügen der Bauten in die Natur, in ihrem Falle waren es die städtebaulichen Werte des Wassers und des Waldes. Die schon in die Zeit der Vorbereitung unserer Landesausstellung fallende Weltausstellung 1937 in Paris studierte ich während ihres Aufbaues und auch ihrer verspätet erfolgten Fertigstellung. Ich habe dort auch manches gelernt, unter anderem auch, wie man einiges nicht machen soll. Von einer Weltausstellung kann natürlich weder eine einheitliche Linie noch der so unentbehrliche bauliche Massstab erwartet werden. [...]
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