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Brückenschlag an der Expo 02
NZZ   21. September 2002
 
 
Schaffhauser Kantonaltag vereint mit Baden-Württemberg
 
Der gemeinsame Auftritt mit Baden-Württemberg prägte den Kantonaltag von Schaffhausen auf der Expo-Arteplage in Neuenburg. Unter dem Motto «Brücke am Rhein» wurde der gut funktionierenden Partnerschaft zwischen dem Grenzkanton und dem deutschen Bundesland in vielfältiger Weise Ausdruck verliehen.
 
 
bre. Neuenburg, 21. September
 
 
Sie schliffen und hämmerten während des ganzen Tages an der rund neun Meter langen Holzbrücke, die auf der «Piazza» inmitten der Arteplage in Neuenburg langsam, aber sichtbar entstand: die Lehrlinge des Zimmerei- und Schreinerhandwerks aus Schaffhausen und dem angrenzenden deutschen Baden-Württemberg. Der Brückenbau stand im Zentrum der vielfältigen Präsentationen anlässlich des Schaffhauser Kantonaltages am Samstag, der unter dem Motto «Brücke am Rhein» stattfand. Der Brückenschlag diente als Symbol für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen dem Grenzkanton und dem deutschen Bundesland - vor allem den Landkreisen Waldshut, Schwarzwald-Baar-Kreis und Konstanz. Der Kanton Schaffhausen ist eigentlich ein Stück Schweiz in Baden-Württemberg: So entfallen vom Grenzverlauf über 150 km auf Südbaden, lediglich rund 30 km teilt Schaffhausen mit den Kantonen Thurgau und Zürich. Und dass Brücken hier eine äusserst wichtige Funktion besitzen, zeigt allein die Tatsache, dass die Schweiz für den auf der rechten Seite des Rheins gelegenen Kanton ohne Übergänge nicht erreichbar ist.
 
Vielzahl von Kooperationsformen
 
Angesichts der geographischen Verhältnisse erstaunt es nicht, dass Schaffhausen als einziger Kanton seinen Expo-Tag mit einer Region jenseits der Grenze bestreiten wollte. Mit dem gemeinsamen Auftritt suchten die Nachbarn ihre Beziehungen weiter zu festigen, sagten der Schaffhauser Regierungsratspräsident Herbert Bühl und Erwin Teufel, Ministerpräsident von Baden- Württemberg, in ihren Festansprachen. Obwohl sich Schaffhausen 1501 für die Eidgenossenschaft entschieden habe, seien die gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen nie abgebrochen, hielt Bühl fest. Nachdem man sich Ende des Zweiten Weltkrieges unvertraut geworden war, habe es gegolten, die einstigen Brücken zu erneuern.
 
 
Heute besteht eine Vielzahl gemeinsamer Projekte: Politiker arbeiten in der Internationalen Bodenseekonferenz zusammen; die Zollanlage Thayngen-Bietingen hat sich zum zweitgrössten Grenzübergang zwischen der Schweiz und ihrem grössten Wirtschaftspartner entwickelt; oder ein neuer, grenzüberschreitender Gewerbepark soll demnächst in Jestetten entstehen. Die Erklärung hierzu wurde just am Vortag des Kantonaltages unterzeichnet. - Lediglich ein Thema, nämlich das Luftverkehrsabkommen mit Deutschland, blieb ausgeklammert. Wer eine Rede halte, sollte überlegen, worüber nicht zu sprechen sei, sagte Bundesrat Joseph Deiss in seinem Grusswort.
 
Für jeden Geschmack etwas
 
Die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg stösst offenbar auch bei einer breiteren Bevölkerung auf Resonanz. Rund 3000 Personen kamen mit zwei Extrazügen und Bussen nach Neuenburg. Was ihnen geboten wurde, war ein breit gefächertes kulturelles Programm mit viel Musik, Tanz und Artistik. Glücklicherweise sind sich die Bewohner der Region um den Bodensee und entlang des Rheins an Wassermengen gewöhnt, denn mit wenigen Ausnahmen regnete es in Strömen.
 
 
Während der dreistündigen zentralen Feier herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Kaum dazu geeignet, die Zuhörer zu unterhalten, waren die zeitgenössischen Kompositionen und Improvisationen eines Jazz-Ensembles. Ihre Musik war vielfach schmerzhaft dissonant. Die angestrengt inszeniert ertönende Musik schien teilweise aus dem Nichts zu kommen - manchmal war sie auch schlicht nichts.
 
 
Umso erfrischender waren die deutsche Trommler-Gruppe mit geistig Behinderten oder die Schaffhauser «Fragles», die den Geist der mittelalterlichen Gauklerei wieder aufleben liessen. Fernab vom Treiben des Festes bestand schliesslich auch die Gelegenheit, die liebliche Landschaft am Rhein in einer Multimedia-Show zu erleben - am besten bei einer Schaffhauser Spezialität, der «Bölledünne».
 
 
Übrigens: Das Motto des Kantonaltages «Brücke am Rhein» war nicht nur symbolischer Natur. Die von den Lehrlingen erbaute Brücke wird in den nächsten Tagen in ihre Einzelteile zerlegt, um später an der Grenze zwischen Stein am Rhein und Öhningen als Fussgängerübergang zu einem beliebten Badeplatz am Untersee ihren endgültigen Standort zu finden.
 

Fotogalerie
 Schaffhausen und Baden-Württemberg

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