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Später Nachmittag an diesem goldenen Oktober-Sonntag. Die Sonne versinkt hinter den Juraketten. Einige hundert Expo-Besucherinnen und –Besucher blicken gebannt auf die Leinwand vor dem Pavillon "Empire of Silence": Der offizielle Schlussakt der Expo.02 wird aus Neuenburg übertragen.
Das Ende ist nicht das Ende
"Das ist das Ende. Und dieses Ende stimmt mich traurig", sagt die sichtlich gerührte Expo-Generaldirektorin Nelly Wenger als erste Rednerin – und fügt an: "Der Geist der Expo.02 wird Wirkung zeigen, und er wird Früchte tragen. Er wird sich ausbreiten und – so hoffe ich – noch grösser werden." Das Bieler Publikum applaudiert.
Nach Nelly Wenger erscheint Expo.02-Präsident Franz Steinegger auf der Leinwand – und entschuldigt sich zunächst einmal "bei all jenen, welche zu lange warten mussten oder enttäuscht wurden". Steineggers Fazit: Die Expo.02 habe gezeigt, dass "die Schweiz lebt und existiert".
Beitrag zur Geschichte
Es sei "ein schönes Fest" gewesen, bilanziert Francis Matthey, Präsident des Vereins Expo.02, die 159 Ausstellungstage, während derer insgesamt gut 10 Millionen Eintritte verzeichnet wurden. "Dieser neue Wille zu einem Zusammengehörigkeits- und Zugehörigkeitsgefühl zu unserem Land werden mit Sicherheit bleibend sein."
Als letzter Redner tritt Bundesrat Pascal Couchepin auf. Er lobt die Expo als "grossartige politische und menschliche Erfahrung", mit der "unsere Generation etwas zur Geschichte der Schweiz beigetragen" habe. Applaus.
Die Suche nach der Schweizer Identität
In der Zwischenzeit ist es kalte Nacht geworden. Der Vollmond steht am klaren Himmel. Haben die offiziellen Redner nicht ein wenig gar dick aufgetragen?
"Nein, ganz und gar nicht", ist ein Bauführer aus der Nähe von Thun überzeugt. "Die Diskussionen, welche die Expo ausgelöst hat, werden weiter gehen. Und das führt in der Schweiz zu mehr gegenseitigem Verständnis und Identität."
Skeptischer ist da eine Lehrerin aus dem Berner Jura. "Die Reden waren das, was man von Politikern gewohnt ist. Ich glaube nicht, dass die Expo die Schweizer Identität abgebildet oder geprägt hat. Dazu waren die einzelnen Ausstellungen doch viel zu verschieden..."
Die Lehrerin wird jäh unterbrochen: Eine Guggenmusik ist hinter ihr in Stellung gegangen, schmettert zuerst "Santa Maria" hin, dann "Heidi" – und zum Schluss noch "Sloop John B" von den "Beach Boys".
"Best of Bern"
Der letzte Expo.02-Tag steht ganz im Zeichen der Musik. Da dürfen in Biel natürlich auch die zahlreichen Berner Rock- und Pop-Berühmtheiten nicht fehlen. Sie treten unter dem Label "Best of Bern" auf den verschiedenen Bühnen der Arteplage auf - teilweise in noch nie da gewesener Bandbesetzungen.
Da singen auf der Hauptbühne etwa Büne Huber ("Patent Ochsner"), Polo Hofer, Endo Anaconda ("Stiller Has") und Schmidi Schmidhauser ("Stop the Shoppers") gemeinsam A Capella. Das Publikum tobt.
An einem anderen Schauplatz, im Zelt, rockt später "Stiller Has" in seiner Originalbesetzung, spielt Songs von der brandaktuellen Platte "Stelzen". Der Publikumsandrang ist gewaltig, die Stimmung schon kurz nach Konzertbeginn auf dem Siedepunkt. Wer sich nicht frühzeitig einen Platz im Zelt gesichert hat, muss draussen bleiben.
Trost bei warmem Eintopf
Wie zum Trost verteilt der Zivilschutz gratis den von Schweizer Soldaten normalerweise verschmähten "Spatz"-Eintopf. Jetzt – in der Kälte der Nacht - eine Wohltat.
"Ich bin schon eher traurig, dass heute der letzte Tag ist", gesteht eine Frau aus Aegerten bei Biel beim Suppe-Löffeln. "Ich habe den ganzen Sommer hier verbracht, und bin jetzt nochmals gekommen, um mich zu verabschieden - mit einem tränenden Auge."
Party bis zum Morgen
22.15: Unter musikalischer Begleitung steigen Feuerwerkskörper in den Himmel. Eine Viertelstunde später schlägt die Stunde der Discjockeys: Der letzte Akt des Festes hat begonnen – einer Party, die in nichts an die streng choreographierte, intellektuell anspruchsvolle und heftig kritisierte Expo.02-Eröffnungsfeier vor fünf Monaten erinnert.
Bis in die frühen Morgenstunden stampft der Beat an den Bieler Gestaden – bis es dann auch für die letzten noch Verbliebenen erbarmungslos heisst: Zeit zu gehen!
swissinfo, Felix Münger, Biel
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